Was freies, gebundenes und bioverfügbares Testosteron bedeutet
Testosteron liegt im Blut nicht als einheitliche Größe vor. Der größte Anteil ist fest an das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) gebunden und steht dem Körper kaum zur Verfügung. Ein weiterer Teil ist locker an Albumin gebunden, ein kleiner Rest zirkuliert vollständig ungebunden. Genau dieser ungebundene Anteil wird als freies Testosteron bezeichnet.
Als bioverfügbares Testosteron fasst man das freie Testosteron und den locker an Albumin gebundenen Anteil zusammen. Beide Fraktionen gelten als die biologisch wirksamen Anteile, da sie an den Zielzellen tatsächlich ankommen. Dieser Rechner stellt Ihnen alle drei Größen nebeneinander dar.
Die Vermeulen-Formel und die benötigten Laborwerte
Um freies Testosteron zuverlässig zu berechnen, hat sich die 1999 von Vermeulen und Kollegen veröffentlichte Berechnungsmethode etabliert. Sie beschreibt das Gleichgewicht zwischen Testosteron, SHBG und Albumin über deren Bindungskonstanten und löst daraus den freien Anteil auf. Studien zeigen, dass diese rechnerische Methode der direkten Messung im Routinelabor in der Regel ebenbürtig oder überlegen ist.
Für die Berechnung tragen Sie drei Werte ein, die in jedem üblichen Labor bestimmt werden: das Gesamttestosteron in nmol/L, das SHBG in nmol/L sowie das Albumin in g/L. Liegt Ihnen das Albumin nicht vor, kann ersatzweise ein typischer Standardwert von etwa 43 g/L verwendet werden, da Albumin nur einen kleinen Einfluss auf das Ergebnis hat.
Warum freies Testosteron aussagekräftiger sein kann
Der Gesamtwert summiert alle Fraktionen, also auch den großen, fest gebundenen und damit kaum wirksamen Anteil. Ein hoher oder normaler Gesamtwert kann deshalb einen funktionellen Mangel verdecken, wenn das SHBG stark erhöht ist. Umgekehrt kann ein niedriges SHBG einen scheinbar grenzwertigen Gesamtwert relativieren.
Gerade bei unklaren Beschwerden, bei Übergewicht, bei Lebererkrankungen oder mit zunehmendem Alter weicht das SHBG häufig vom Üblichen ab. In solchen Situationen liefert das freie Testosteron ein realistischeres Bild der hormonellen Versorgung. Genau deshalb empfehlen Fachgesellschaften, den Gesamtwert in Grenzfällen durch das freie oder bioverfügbare Testosteron zu ergänzen.
Referenzbereiche und Einflussfaktoren
Ein typischer Referenzbereich für freies Testosteron beim erwachsenen Mann liegt etwa zwischen 200 und 600 pmol/L. Diese Spanne ist jedoch stark laborabhängig und variiert mit Messmethode und Alter. Maßgeblich sind immer die Referenzwerte des Labors, das Ihre Probe ausgewertet hat. Die folgende Tabelle dient nur der groben Orientierung.
| Wert | Typischer Orientierungsbereich (Mann) |
|---|---|
| Gesamttestosteron | ca. 12 bis 30 nmol/L |
| SHBG | ca. 18 bis 55 nmol/L |
| Freies Testosteron | ca. 200 bis 600 pmol/L |
| Bioverfügbares Testosteron | ca. 5 bis 12 nmol/L |
Mehrere Faktoren beeinflussen das Ergebnis erheblich. Mit steigendem Alter sinkt der Testosteronspiegel langsam, während das SHBG oft ansteigt. Die Tageszeit spielt eine große Rolle, da die Werte morgens am höchsten sind. Übergewicht senkt typischerweise SHBG und Gesamttestosteron, sodass die Einordnung des freien Werts hier besonders wichtig wird. Ihren Körperfettanteil schätzen Sie mit dem Körperfettanteil Rechner.
Wichtiger Hinweis: kein Ersatz für die ärztliche Abklärung
Dieser Rechner ist ein Informationswerkzeug und stellt ausdrücklich keine Diagnose. Ein einzelner berechneter Wert sagt für sich genommen wenig aus und darf niemals zur Selbstbehandlung oder zur Einnahme von Präparaten führen. Hormonelle Beschwerden haben viele mögliche Ursachen, die nur im ärztlichen Gespräch und mit weiteren Untersuchungen geklärt werden können.
Achten Sie darauf, dass die zugrunde liegende Blutabnahme morgens und nüchtern erfolgt, idealerweise zwischen 7 und 11 Uhr, und am besten an zwei verschiedenen Tagen wiederholt wird. Bei Verdacht auf einen Testosteronmangel oder bei auffälligen Werten lassen Sie das Ergebnis bitte ärztlich abklären, etwa in der Endokrinologie oder Urologie. Nur dort lässt sich beurteilen, ob und welche Behandlung sinnvoll ist.