Bluthochdruck in Deutschland: Zahlen, Daten & Fakten 2026

Stand: 16. Juli 2026. Diese Recherche ordnet Bluthochdruck in Deutschland ein: mit aktuellen deutschen Daten, einem methodisch vergleichbaren Ländervergleich und einer klaren Trennung zwischen gemessenen, dokumentierten und modellierten Werten. Jede Zahl bleibt bei Quelle, Jahr und Bezugsgruppe. Sie ist keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Beratung.

19 Mio.geschätzte Betroffene
30–79 Jahre, 2024
36 %WHO-Schätzung
30–79 Jahre, 2024
51 %unter Kontrolle
unter Betroffenen, 2024

Bluthochdruck in Deutschland: die wichtigsten Zahlen

Kennzahl Wert Bezugsgruppe und Jahr
Dokumentierte 1-Jahres-Prävalenz 29,92 % gesetzlich Versicherte ab 20 Jahren, Deutschland, 2024
Geschätzte Betroffene 19 Millionen Erwachsene 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Geschätzte Prävalenz 36 % Erwachsene 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Männer 40 % 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Frauen 33 % 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Diagnostiziert 77 % Betroffene 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Diagnostiziert: Männer 79 % Betroffene Männer 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Diagnostiziert: Frauen 75 % Betroffene Frauen 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Behandelt 70 % Betroffene 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Behandelt: Männer 70 % Betroffene Männer 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Behandelt: Frauen 70 % Betroffene Frauen 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Kontrolliert 51 % Betroffene 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Kontrolliert: Frauen 52 % Betroffene Frauen 30–79 Jahre, Deutschland, 2024
Nicht kontrolliert 9,3 Millionen Erwachsene 30–79 Jahre, Deutschland, 2024

Die ersten beiden Prävalenzwerte dürfen nicht gegeneinander auf- oder abgerechnet werden: Der Gesundheitsatlas erfasst dokumentierte Diagnosen in GKV-Abrechnungsdaten ab 20 Jahren; das WHO-Länderprofil schätzt Bluthochdruck bei 30- bis 79-Jährigen anhand der WHO-Definition. Deshalb zeigen wir beide Werte mit ihrer Methode.

Quellen: AOK Gesundheitsatlas, Methodik des Gesundheitsatlas und WHO-Länderprofil Deutschland 2025 (PDF).

Entwicklung in Deutschland: ein messbarer, aber kein klinischer Trend

Für einen deutschen Zeitvergleich eignet sich der Gesundheitsatlas besser als die WHO-Schätzung, weil er dieselbe Abrechnungsdaten-Methode über die Jahre verwendet. In dieser Reihe stieg die dokumentierte 1-Jahres-Prävalenz bei Menschen ab 20 Jahren von 28,8 % im Jahr 2017 auf 29,9 % im Jahr 2024. Das sind 1,1 Prozentpunkte – nicht 1,1 Prozent.

Reihe 2017 2024 Was wird gezählt?
AOK Gesundheitsatlas 28,8 % 29,9 % im jeweiligen Jahr dokumentierte Hypertonie bei Personen ab 20 Jahren

Diese Entwicklung ist ein Signal für die dokumentierte Krankheitslast im GKV-Datensatz. Sie beweist nicht, dass der durchschnittliche Blutdruck aller Menschen um genau denselben Betrag gestiegen ist. Änderungen in Altersstruktur, Diagnostik und Versorgung können die Reihe mit beeinflussen.

Quelle: WIdO/AOK Gesundheitsatlas, Pressemitteilung 2026.

Deutschland im europäischen Vergleich: gleiche Definition, unterschiedliche Versorgungslücken

Für einen fairen Ländervergleich verwenden wir ausschließlich die WHO-Profile 2025. Sie beziehen sich jeweils auf Erwachsene von 30 bis 79 Jahren im Jahr 2024 und definieren Hypertonie als mindestens 140/90 mmHg oder die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente. „Kontrolliert“ heißt: behandelt und unter 140/90 mmHg. Das macht die Werte deutlich vergleichbarer als nationale Befragungen.

Land Prävalenz Kontrolliert Geschätzte Betroffene
Deutschland 36 % 51 % 19,0 Mio.
Frankreich 37 % 33 % 14,5 Mio.
Polen 57 % 39 % 13,9 Mio.
Schweden 34 % 25 % 2,1 Mio.
Spanien 32 % 37 % 9,8 Mio.
Vereinigtes Königreich 31 % 35 % 12,6 Mio.

Die Tabelle ist keine Rangliste von Gesundheitssystemen. Sie beschreibt die WHO-Modellschätzungen und die dort definierte Kontrolle; Altersstruktur, Erhebung und Versorgungswege unterscheiden sich zwischen Ländern. Ihr Wert liegt darin, dass Prävalenz und Kontrolle in derselben Quelle nebeneinander stehen: Eine niedrigere Prävalenz bedeutet nicht automatisch eine höhere Kontrollrate – und umgekehrt.

Beispiel für den Unterschied der Messarten: In Frankreich berichteten 2024 22 % der 18- bis 79-Jährigen selbst, einen hohen Blutdruck zu haben. Die WHO-Schätzung für Frankreich beträgt dagegen 37 % bei 30- bis 79-Jährigen. Beide Angaben können richtig sein, weil Selbstbericht, Altersgruppe und Definition verschieden sind.

Quellen: WHO Hypertension Country Profiles 2025 und Santé publique France, Baromètre 2024.

Einordnung: weltweit und messbar

Kennzahl Wert Bezugsgruppe und Jahr
Menschen mit Bluthochdruck weltweit 1,4 Milliarden 30–79 Jahre, 2024
Anteil weltweit 33 % 30–79 Jahre, 2024
Ohne Wissen um die Erkrankung 600 Millionen / 44 % Betroffene weltweit, 2024
Diagnostiziert und behandelt 630 Millionen / 44 % Betroffene weltweit, 2024
Unter Kontrolle 320 Millionen / 23 % Betroffene weltweit, 2024
Betroffene 1990 650 Millionen Erwachsene weltweit
WHO-Definition ab 140/90 mmHg Messung an zwei verschiedenen Tagen
Globale mittlere Natriumaufnahme 4.278 mg/Tag Erwachsene weltweit, 2021
Entspricht Salz 11 g/Tag Erwachsene weltweit, 2021
WHO-Empfehlung Natrium unter 2.000 mg/Tag Erwachsene
WHO-Empfehlung Salz unter 5 g/Tag Erwachsene
Bewegung als Orientierung 150 Min./Woche moderate Aktivität laut WHO
Alternative intensive Bewegung 75 Min./Woche laut WHO

Quellen: WHO: Hypertension und WHO: Sodium reduction.

Herz-Kreislauf-Folgen in der amtlichen Statistik

Die folgenden Zahlen sind Todesfälle nach zugrunde liegender Todesursache, nicht „durch Bluthochdruck verursachte“ Todesfälle. Sie zeigen daher die Größenordnung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht den isolierten Effekt eines einzelnen Risikofaktors.

Todesursache (ICD-10) Todesfälle 2024
Alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen 339.212
Ischämische Herzkrankheiten (I25) 70.720
Akuter Herzinfarkt (I21) 41.258
Herzinsuffizienz (I50) 37.633
Hypertensive Herzkrankheit (I11) 23.356
Vorhofflimmern/-flattern (I48) 23.184
Hirninfarkt (I63) 15.645
Folgen zerebrovaskulärer Krankheiten (I69) 12.788
Hypertensive Herz- und Nierenkrankheit (I13) 11.735
Aortenklappenkrankheiten (I35) 10.970
Essenzielle Hypertonie (I10) 10.065

Quelle: Statistisches Bundesamt: Todesursachen 2024.

Was diese Seite bewusst nicht behauptet

  • Ein einzelner Messwert stellt keine Diagnose dar.
  • Die Tabellen erlauben keine Aussage über Ihr persönliches Risiko.
  • Alte Umfragewerte, Abrechnungsdaten und WHO-Modellschätzungen sind verschiedene Messgrößen, keine Zeitreihe.
  • Bei sehr hohen Werten oder Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, Sehstörungen oder neurologischen Ausfällen ist sofort medizinische Hilfe nötig.

Weitere Einordnung: gesund.bund.de, RKI/NAKO-Messstudie und Eurostat (selbstberichtete Diagnose, EU 2019). Für Ihre eigenen Werte nutzen Sie unseren Blutdruck-Rechner als Orientierung und besprechen Sie auffällige Messungen ärztlich.

Quellen, Methode und Aktualisierung

Quellenstand: 16. Juli 2026. Diese Seite vergleicht nur Werte innerhalb derselben Datenreihe. Deutsche AOK-Abrechnungsdaten, WHO-Ländermodelle und nationale Selbstberichte stehen deshalb nie in derselben Zeitreihe. Die Seite wird bei neuen WHO-, AOK/WIdO- und Destatis-Daten überprüft. Sie wird nicht von einer Arzneimittel- oder Gerätefirma finanziert.

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